Die heute anstehende Madrid-Reise des Konzerthausorchesters ist mehr Kurztrip als Tournee. Hinfliegen, Konzert spielen, zurückfliegen, fertig.
Ich bin es gewohnt, schwerbepackt zu reisen. Posaune, Frack, Frackschuhe, und schon ist man beladen wie bei einer kleinen Weltreise. Nicht so bei uns. Mein Frack und meine Posaune kriechen gerade im LKW über die Pyrenäen, und ich reise mit Handgepäck. Genial.
Die Reise startet für mich dennoch ungünstig. Morgens, beim familiären Frühstück fällt mir ein, dass man trotz der durch die europäischen Union garantierten Reisefreiheit ein gültiges Reisedokument braucht. Bräuchte. Und da war doch neulich was… Richtig – Pass und Perso abgelaufen.
Am Check-in gibt es dann eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: mein Führerschein ist kein Reisedokument. Ich sacke unmerklich zusammen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Orchesterdirektor Ulf Werner, wie er mich über seinen Schreibtisch hinweg anblickt und sagt: “gefeuert”.
Aber die gute Nachricht lautet: Der Personalausweis darf ein ganzes Jahr abgelaufen sein, bevor EU-Reisen nicht mehr möglich sind. Die innere Kündigung verschwindet. Unser Intendant gibt mir noch ein joviales “wie oft haben wir gesagt… Pässe kontrollieren…93mal…” auf den Weg, bevor er mir schmunzelnd erzählt, dass seine mitreisende Frau heute morgen dasselbe Problem hatte.
A propos Mitreisen – mit einem Christian Wulff als Bundepräsidenten erwähnt man es lieber extra: Unser Intendant bezahlt die Reisekosten seiner Frau selbst, wie er süffisant betont.
Am Schalter erwartet uns die schlichte Aufschrift “Vueling”. Was sich anhört wie Grabbeltisch bei Hertie entpuppt sich als eine No-Name-Lowcost-Airline. Soll heissen: Ankommen ist alles.
-Helge-
