- 4. 2011
Der Reiseplan sagt “8.25 letztes Check-in”. Als ich den Terminal C im Flughafen Tegel erreiche, zeigt die Uhr 8.21. Eigentlich kein Problem, wenn – ja wenn der Terminal nicht unerwarteterweise berstendvoll wäre. Irgendwo in der Menschenmenge sehe ich Bernadette vom Orchesterbüro, die mich durch die Massen hindurch zum richtigen Schalter lotst. Agnes Model (ja, das ist ein Nachname), Assistentin unseres Intendanten und mit der Reiseleitung betraut, weist mich spitz darauf hin, dass ich der Letzte bin. Was sich als Falschmeldung herausstellt.
Orchesterreisen bewegen sich irgendwo zwischen Pauschalreise, Klassenfahrt und Schafherde. 80 Menschen, alle mit eigenen Wünschen, Zielen und Marotten, werden von unserem Orchestermanagement mit sanftem Nachdruck und viel Geduld durch die verschiedenen terminlichen und örtlichen Nadelöhre, die so eine Reise bereithält, hindurchgeleitet.
Ich persönlich liebe Orchesterreisen. Für die kommende Woche kann ich weite Teile meines Gehirns abschalten und muss einfach nur den Anweisungen des Reiseplans folgen. Nicht, dass eine Reise, nicht anstrengend wäre. Sie ist eben nur einseitig anstrengend.
OrganisierkramsUnterrichtMitdenkVerwaltRechnungbezahlÜbProbKonzert, dass alles wird reduziert auf ein simples Essen-Schlafen-Dasein-Spielen. Klare Strukturen, einfache Ansagen. Für eine Woche ist das Dasein als Herdentier eine ganz prima Sache eigentlich.
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Im Flugzeug. Ronith, unsere bayerische Harfe, hat soeben die Hand quer über meine Tastatur gelegt. Das Ergebnis sehen Sie oben.
Auf Orchestereisen kommen eine ganze Menge infantiler Verhaltensweisen zum Vorschein. Sinnfreier Spass und kleinere Albernheiten, längst vergessenes Relikte unserer Kindheiten, werden wieder zur gesellschaftlich akzeptiertem Möglichkeit, Flüge und Busfahrten zu überbrücken.
- Helge
