Als ich mich dem Festspielhaus nähere, fühle ich ein leichtes Kribbeln. Es ist meine persönliche Premiere an diesem legendären Konzertort, und ich bin gespannt, was mich erwartet. Das in den Mönchsberg hineingebaute Festspielhaus ist ein imposanter Anblick, aber der Bühneneingang ist dann doch, wie eigentlich alle Bühneneingänge dieser Welt, funktional und nüchtern gehalten.
Hinter der Bühne haben unsere Orchesterwarte den üblichen Wald aus Kisten aufgebaut, erste Kollegen spielen sich ein, inspizieren die Bühne, Herbert Schuch, unser Solist, sitzt am Rande der Bühne am Flügel und Lothar Zagrosek ist auch da und scheint sich innerlich auf den Saal einzustimmen.
Ein Anspielprobe erfüllt viele Funktionen. Dynamikstufen müssen austariert werden, man sucht die Balance zwischen den Gruppen, das Gehör muss sich auf die veränderten Gegebenheiten einstellen. An einer Stelle im Klavierkonzert von Ullmann bin ich es von Berlin gewohnt, mich mit der Horngruppe zu synchronisieren, aber wo zum Deubel ist die denn hier geblieben? Richtig – irgenwo aus der Klangmasse höre ich ein fernes Schmettern, wesentlich leiser als in Berlin – hab ich Euch! Jeder Musiker sucht in der Probe was anderes, stellt sich andere Fragen. Trägt das Pianissimo? Scheppert das Forte? Finden wir einen Zusammenklang? Wann ist die Probe zuende? Wo ist mein Instrumentenständer? Noten höher? Das Blech weiter rüber?
Am Ende der Probe wünscht uns Lothar Zagrosek launig einen schönen Tourneeauftakt und ein schönes Konzert.
Das Konzert.
Die von Herrn Schuch wunderbar meditativ gespielte Zugabe, deren Titel ich leider nicht kenne (klang irgendwie nach Bach, aber irgendwie dochnicht) ist soeben verklungen, das Klavierkonzert von Herrn Ullmann wurde positiv aufgenommen und endlich sitzen wir in den Startlöchern zum Hauptwerk des Abend, Gustav Mahlers 5. Sinfonie.
Die Anfang ist berühmt und berüchtigt. Vollkommen allein spielt der Solotrompeter in den stillen, gespannt wartenden Saal hinein. Es gibt Dinge, die sind eigentlich leicht, aber sobald eine Million Menschen zuschauen, werden sie schwer. Die Steigerung davon sind Dinge, die schon an sich schwer sind, und vor einem Saal gefüllt mit Zuhörern noch schwerer werden. Der Anfang dieser Sinfonie gehört zu letzterer Kategorie. Aber Sören Linke, unser Solotrompeter, spielt souverän und klangschön los, das Restblech und das Schlagzeug setzen schmetternd ein, und genau in diesem Moment hat die Reise für mich begonnen.
Das Konzert, das motivierenderweise fast ausverkauft war, endet mit einem Applaus der Stufe 8 (langer Beifall, vereinzelt Jubelrufe) auf der Skala zwischen 1 und 10, und mit diesem positiven Ergebnis sind wir, zwei Tage nach dem die Konkurrenz mit den Kollegen von der Berliner Philharmonie da waren durchaus zufrieden.
Zur Info: Stufe 1: Buhrufe, totaler Reinfall
Stufe 10: Stehende Ovationen, Gebrüll, Ohnmachtsanfälle in der ersten Reihe.
Dies nur um die 8 richtig einzuordnen.
- Helge







